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Rückstandsverhalten
Kein Glanzmittel, kein Wachs, kein Pflegefilm. Produkte, die mit einer Schutzschicht werben, scheiden aus, und zwar genau wegen der Eigenschaft, mit der sie beworben werden.
Reinigung im EPA-Bereich
Reinigung im EPA-Bereich
In einer EPA lässt sich fast alles prüfen: Erdungspunkte, Handgelenkbänder, Tischmatten. Was sich der Kontrolle entzieht, ist der Wischeimer.
Zum FachbeitragDie Reinigung findet abends statt, oft durch externe Kräfte, und sie verändert genau die Oberflächen, deren Ableitwiderstand einmal gemessen und dokumentiert wurde. Ein handelsüblicher Allzweckreiniger hinterlässt auf einer ESD-Tischmatte einen dünnen Film.
Am nächsten Morgen sieht der Arbeitsplatz sauber aus. Ob er noch ableitfähig ist, sieht man ihm nicht an.
Der technische Hintergrund
Die meisten Reinigungsmittel für Böden und Oberflächen sollen etwas hinterlassen. Glanz, Wasserabweisung, ein Schutz gegen erneute Verschmutzung: Diese Wirkungen entstehen durch Rückstände, die nach dem Trocknen auf der Oberfläche bleiben. Bei einem Büroboden ist das der Zweck des Produkts.
Auf einer ableitfähigen Oberfläche ist derselbe Film ein Isolator. Er legt sich zwischen das Bauteil und das Material, das die Ladung zur Erde führen soll. Der Ableitwiderstand steigt, und er steigt schleichend, weil jede Reinigung eine weitere Lage aufträgt.
Anfangs liegt die Matte noch im zulässigen Bereich. Nach einigen Wochen kann die Erdungsverbindung praktisch unterbrochen sein, während optisch alles unverändert wirkt. Die Prüfprotokolle im Ordner stammen aus der Erstinbetriebnahme und beschreiben dann einen Zustand, den es nicht mehr gibt. Ein Audit nach DIN EN 61340-5-1 deckt genau diese Lücke auf.
Das Problem endet nicht an der Tischkante. Es betrifft ESD-Böden, Arbeitsstühle, Regale und Transportbehälter genauso. Wo Ableitfähigkeit eine Funktion des Materials ist, gehört die Reinigung ins ESD-Kontrollprogramm.
Fünf Kriterien
Ein Reinigungsmittel für den EPA-Bereich muss eine Eigenschaft mitbringen, die bei gewöhnlichen Produkten niemand prüft: Nach dem Trocknen darf nichts zurückbleiben, was den Stromfluss behindert.
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Kein Glanzmittel, kein Wachs, kein Pflegefilm. Produkte, die mit einer Schutzschicht werben, scheiden aus, und zwar genau wegen der Eigenschaft, mit der sie beworben werden.
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Der Hersteller muss den Erhalt der Leitfähigkeit ausdrücklich zusagen. Das Wort „antistatisch“ auf dem Etikett reicht nicht. Entscheidend ist die Aussage zum Ableitwiderstand der gereinigten Fläche.
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ESD-Beläge bestehen aus Gummi, Vinyl oder PVC, Böden aus Epoxid oder Kautschuk, Stuhlpolster aus beschichtetem Gewebe. Ein Mittel, das dem Boden nichts anhaben kann, greift die Tischmatte womöglich an.
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Böden bekommen Schuhabrieb, Öl und Fett ab. An Arbeitsflächen sammeln sich eher Flussmittelreste, Handschweiß und Staub. Ein Produkt für beides ist entweder für den Boden zu schwach oder für die Matte zu scharf.
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Ob Konzentrat oder Fertiglösung, hängt an der Fläche. Wichtiger ist, dass ein Datenblatt vorliegt und die Dosierung im Betrieb reproduzierbar bleibt. Was nicht dokumentiert ist, lässt sich im Audit nicht belegen.
ESD-MultiClean
ESD-MultiClean ist die Reinigungsmittellinie der ESD-Protect GmbH und deckt beide Fälle ab. Die Trennung verläuft entlang der Oberfläche, nicht entlang des Verschmutzungsgrads.
Die tägliche Unterhaltsreinigung an und um den Arbeitsplatz, dort wo Bauteile angefasst werden.
Typische Flächen
Darreichung
Sprühflasche für den Platz, Kanister für den Nachschub, Konzentrat für größere Flächen.
Die Unterhaltsreinigung ableitfähiger Böden, abgestimmt auf Schuhabrieb, Öl und Fett.
Typische Flächen
Darreichung
Konzentrat zum Dosieren. Für angesammelte Pflegemittelreste gibt es zusätzlich einen Grundreiniger.
Dazu kommen ein Trockenschaum für die Polster von ESD-Stühlen, ein Desinfektionsreiniger für Bereiche mit Hygieneanforderung und Wischtücher für den Arbeitsplatz. Für die größeren Gebinde gibt es Auslaufhähne und Dosierpumpen, damit die Dosierung nicht zur Schätzung wird.
Welche Gebindegröße sinnvoll ist, hängt an der Fläche und am Intervall. Die Produktübersicht zu Reinigungsmitteln für EPA-Bereiche führt die einzelnen Varianten mit Artikelnummern und technischen Daten.
Nachweis
Ein ESD-Kontrollprogramm lebt von Nachweisen. Die Reinigung greift in geprüfte Oberflächen ein und gehört deshalb in die Prüfroutine.
Gemessen wird der Ableitwiderstand, Punkt zu Punkt und Punkt zu Erde, mit einem Widerstandsmessgerät und Elektroden, die für die Prüfung von Oberflächen vorgesehen sind.
Ein einzelner Wert hilft dabei wenig. Aussagekraft entsteht erst im Verlauf: Wer dieselben Messpunkte über Monate protokolliert, erkennt einen schleichenden Anstieg früh genug, um das Reinigungsverfahren zu ändern. Im Audit ist diese Reihe der Beleg dafür, dass die Reinigung die Ableitfähigkeit nicht verändert hat.
Geräte für die Widerstandsmessung und fertig zusammengestellte Audit-Kits stehen im Bereich ESD-Mess- und Prüfgeräte.
In der Praxis
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Mehr Konzentrat reinigt nicht besser. Es erhöht die Menge an Rückständen.
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Zusätze aus anderen Produkten heben die Freigabe des Herstellers auf.
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Ein gesättigtes Tuch verteilt den Schmutz, statt ihn aufzunehmen.
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Produkt, Dosierung und Intervall gehören in die Arbeitsanweisung, nicht in die Absprache am Putzwagen.
Kurz beantwortet
Ein festes Intervall gibt die Norm nicht vor. Sie verlangt ein Kontrollprogramm, in dem die Organisation ihre Prüfabstände selbst festlegt und begründet.
In der Praxis richtet sich die Reinigung nach der Nutzung. Arbeitsflächen, an denen gelötet, geklebt oder mit Flussmittel gearbeitet wird, brauchen einen kürzeren Abstand als ein reiner Prüfplatz. Wichtig ist, dass das Intervall festgeschrieben ist und die Reinigung nach demselben Verfahren abläuft.
Für die punktuelle Reinigung ist Isopropanol verbreitet, etwa um Flussmittelreste an einer Stelle zu entfernen.
Für die tägliche Reinigung der gesamten Fläche eignet es sich nicht. Isopropanol kann Weichmacher aus Gummi- und Vinylbelägen lösen, die Oberfläche wird über die Zeit spröde und rissig. Ein wässriger Reiniger, der für ableitfähige Oberflächen freigegeben ist, belastet das Material weniger.
Wasser allein löst Fette, Schuhabrieb und Handschweiß nur unvollständig. Was liegen bleibt, ist selbst eine Schicht zwischen Oberfläche und Erdung.
Dazu kommt der Kalk. Hartes Leitungswasser hinterlässt beim Trocknen einen Belag, der den Ableitwiderstand ebenfalls verändern kann. Ein passend dosierter Reiniger arbeitet an dieser Stelle sauberer als Wasser.
Die Fertiglösung ist gebrauchsfertig abgefüllt und wird direkt aus der Sprühflasche oder dem Kanister verwendet. Sie ist die richtige Wahl für den einzelnen Arbeitsplatz, weil beim Dosieren nichts schiefgehen kann.
Das Konzentrat wird mit Wasser angesetzt und lohnt sich bei größeren Flächen und bei Böden. Der Preis je Liter Gebrauchslösung sinkt, dafür muss die Dosierung stimmen. Eine Dosierpumpe oder Dosierflasche gehört deshalb dazu.
Ansehen lässt es sich nicht. Eine Oberfläche mit isolierendem Film sieht sauber aus, oft sogar besonders gepflegt, weil der Film glänzt.
Erkennbar wird es nur durch Messung. Wer den Ableitwiderstand über mehrere Monate protokolliert, sieht einen schleichenden Anstieg, lange bevor der Grenzwert erreicht ist. Ein einzelner Messwert ohne Vergleich sagt dagegen wenig aus.
In einer EPA nicht. Das Reinigungsmittel ist Teil des ESD-Kontrollprogramms, genauso wie die Tischmatte oder das Erdungskabel.
Sinnvoll ist eine schriftliche Festlegung im Reinigungsvertrag: welches Produkt, welche Dosierung, welche Tücher, welcher Abstand. Dazu eine kurze Einweisung des Personals. Ohne diese Festlegung entscheidet der Einkauf des Dienstleisters über die Normkonformität der Fertigung.
Wer wissen will, wie es um die eigene EPA steht, braucht dafür keinen Auditor. Es genügt, das Datenblatt des eingesetzten Reinigungsmittels herauszusuchen und den Ableitwiderstand an drei Arbeitsplätzen zu messen, die täglich gereinigt werden. Weichen die Werte von der Erstprüfung ab, liegt die Ursache oft im Putzeimer.